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  • bewegen

    25 déc. 2014, 18h09m

    So., 26. Okt. – Officium Novum - The Hilliard Ensemble & Jan Garbarek
    Ich sitze recht weit hinten in der Agnes Kirche. An diesem Veranstaltungsort wundert mich der verspätete Beginn tatsächlich. Doch dann geht das Licht aus, es bleibt rote Hintergrundbeleuchtung und 4 Männer kommen singend von hinten. Das Hilliard Ensemble singt das vor 21 Jahren mit Jan Garbarek eingespielte Officium. Und auch der Saxophonist stimmt mit ein, geht in der Nähe des Altars umher. Die Tonqualität ist klasse, die erhabene ruhige Stimmung, das Feine der Töne füllt die ganze Kirche. Bilder erzeugt diese Musik, ich fühle mich wie 2 1/2 Wochen vorher auf einem Boot in den Grotten an der Algarve-Steilküste in Algar Seco. Noch besser klingen die Sänger, wenn sie durch die Kirche gehen. Ganz beeindruckend, sie beim Singen so nah zu sehen, und einen anderen hinter sich zu hören. Und in allem doch prägend und als besondere Würze die Saxophonstimme. Begeisterter Applaus der wohl 1000 Zuschauer, eine Zugabe, und dann beseelt zurück in die Nacht. Und erst am nächsten Tag hören, wie gegensätzlich gewaltorientiert die Stimmung bei der Demo 1km entfernt gewesen ist.
  • stark

    25 déc. 2014, 18h04m

    So., 19. Okt. – Esben and the Witch, Coctail Twins
    Die Cocktail Twins spielen als Support im Gebäude 9. Mike Reichel macht am Bass keine schlechte Figur; als DJ mag ich ihn ohnehin. Die Songs werden allerdings von der guten Sängerin geprägt. Nein, an Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins möchte sie nicht erinnern, braucht sie nicht. Von ihr höre ich gern mehr!

    Dann treten Esben & the Witch auf die Bühne. Wenn mir das neue Album beim ersten Hören ruhiger vorkam, ist dieser Eindruck nun schnell und nachhaltig verflogen. Energievoll, mit der Wucht von Rock, treiben die 3 ihre Songs in die Halle. Schade, dass sie nicht einmal halb voll ist! In jedem Song steigert sich Rachel Davies aufs Neue in die energievollen Stimmungen. Ihre Stimme klingt rauher als von Konserve, wütender. Sehr gern spielt sie in Köln, in diesem besonderen Venue. Und hier passt sie auch sehr gut hin. Gut dass auch 2015 hier solche Konzerte zu hören sein werden. Nach einer Zugabe und nicht viel mehr als 60 Minuten ist Schluss - das ist schon recht kurz. Aber stark!
  • Philharmonie

    23 sept. 2014, 21h33m

    Do., 21. Aug. – Agnes Obel
    Zur c/o pop zieht es mich in die Kölner Philharmonie. Agnes Obel ist zu Gast. Sie setzt sich bedacht an den Flügel links auf der Bühne, die beiden Musikerinnen, die sie begleiten, gehen in die Mitte. Die Songs wirken live noch feiner und klarer instrumentiert mit schönem Zusammenspiel von Klavier und Streichern. Für gewöhnlich trägt die Stimme von Agnes Obel durch die Melodien, aber auch eine Instrumentalversion glänzt als schönes Stück. Hinter der Bühne sind die Sitze nicht besetzt, aber auch nicht mit einem Vorhang abgehängt, sondern wirkungsvoll beleuchtet - passende Bilder zur Musik zusammen mit dem Bühnenlicht. Die neuen Songs aus dem Album Aventine klingen trauriger als die von Philharmonics, erreichen mich live noch deutlich besser als von der Konserve. Wir brauchen uns nicht zu verhalten wie in klassischen Konzerten, wir sollen ruhig Lärm machen, unruhig sein, oder schlafen und schnarchen - Agnes Obel sagt, sie ist aus einer Familie, die in Konzerten schnarcht. Die fast vollständig besetzten Reihen beeindrucken mich, wo das vorige Kölner Konzert doch in der deutlich kleineren Kulturkirche Nippes stattfand. Und der stürmische anhaltende Applaus beeindruckt die Musiker. Nach einer Zugabe und 90 Minuten ist dennoch Schluss. Ein wunderschöner Abend!
  • Wild und poppig

    9 avr. 2014, 23h42m

    Sa., 5. Apr. – Wild Beasts, Money
    Money sind der Support im Gebäude 9. Bis zum Jahresende läuft der Mietvertrag nur noch. Ich hoffe, dass die möglichen Veränderungen nicht zu drastisch sein werden. Eine Petition, zahlreiche schöne Erinnerungen, zuletzt wundervolles Sylvester ...
    Money spielen nicht sehr lang. Schade! Von dieser Band werden wir vermutlich bald mehr hören, gern auch als Hauptact.

    Wild Beasts betreten pünktlich um 21 Uhr die Bühne. Selten habe ich eine Band mit zwei so guten Sängern gesehen. Die Falsettstimme von Hayden Thorpe mag die Zuhörer in Fans und Nichtfans spalten, aber die tiefere Stimme des Gitarristen und Bassisten Tom Fleming trägt hervorragend durch die Songs, mal als Zweitstimme, mal im Solo. Hayden spielt einen exzellenten Bass. Und der Keyboarder und Drummer sind auch sehr konzentriert und mit Spaß an ihrer Musik dabei. Glänzand0e Popsongs. Ein großartiger Abend sogar ohne das muntere "Brave Bulging Buoyant Clairvoyants"! Mein - auch live - Lieblingssong "Wanderlust" kommt erst in der Zugabe, der beschwingte nahe Heimweg nach 80 Minuten.
  • Sound

    12 mars 2014, 23h03m

    So., 23. Feb. – Warpaint, All We Are
    Auf zu Warpaint in die Live Music Hall. All We Are überzeugen mich als Support, von dieser Liverpooler Band muss ich mehr hören. Für das Warpaint Konzert hatte ich Bedenken, dass die Atmosphäre und insbesondere der Sound schlechter ist als vor knapp 3 Jahren in der Kulturkirche. Aber nein, alles ist super! Die Instrumentierung wird fein durch die voll besetzte Halle bis zu meinen Ohren in der Nähe des Mischpults gespült. Die neuen Songs gefallen mir live gut, die alten sehr gut. Die konzentrierte Freude der Musikerinnen, besonders der sehr guten Schlagzeugerin trägt die Musik. Auch die vielen jungen Zuhörer haben großen Spaß. Nur verwunderlich, dass schon nach einer Zugabe Schluss ist. Mehr!
  • Keyboards

    12 mars 2014, 23h00m

    Mo., 10. Feb. – Au Revoir Simone, Luca Vasta
    Als ich ins Gebäude 9 komme, erzeugt Luca Vasta bereits belebte Stimmung in der Halle. Ich bin gespannt, ob man von dieser Sängerin aus Remscheid noch mehr hören wird. Dann treten die 3 New Yorkerinnen von Au Revoir Simone an ihre Keyboards. Die variable Rollenverteilung in den unterschiedlichen Songs ist interessant zu beobachten, weil die 3 ganz unterschiedliche Typen sind. Die vielen guten Songs der mittlerweile 3 Alben funktionieren auch live, aber ich ertappe mich dabei, dass ich nach Livevarianten suche, nach handgemachten Besonderheiten. Ich entdecke sie nicht, schade! Trotzdem ein gutes Konzert.
  • Großartiger Auftakt in das Jahr

    12 mars 2014, 22h57m

    Di., 28. Jan. – Poliça, Marijuana Deathsquads
    In diesem Jahr heißen mich besonders Frauen willkommen. Bei Marijuana Deathsquads machen Männer Musik, doch die Aura wandelt sich erstaunlich, als Channy Leaneagh auf die Bühne kommt und die letzten Stücke mitsingt. Nach dem Umbau steht sie dann mit ihrer Band Poliça auf der Bühne. Und in diesen Songs ist ihre Stimme fantastisch arrangiert. In der ausverkauften Kulturkirche verteilt sich der Klang in natürlicher Art; von der Konserve klingt er elektronischer. Die zwei Schlagzeuge treiben locker, aber unaufdringlich durch die Stücke. Die neuen und alten Songs geben harmonische Höhepunkte. Es sind viele Songs, die sanft in meinen Körper eindringen, die Beine wippen und die Gedanken wandern lassen. Kurze atmosphärische Störung gibt ein auf die Bühne geworfener Bierbecher. Ein sofortiger eisiger Blick auf den Werfer und klare Worte nach dem Song, dann ist es wieder gut. Und weitere wundervolle Stücke folgen. Ein großartiger Auftakt in das Jahr!
  • Knöpfe

    25 nov. 2013, 22h30m

    Do., 14. Nov. – Trentemøller
    Den Sorte Skole stehen an den Tellern und Reglern auf der großen Bühne in der Essigfabrik. Sie springen unterhaltsam durch verschiedene Musikstile, bringen schon Bewegung ins Publikum. Ausverkauft wirkt die Halle nicht, auch nicht, als Trentemøllerr loslegt. Er kommt vom Rock, arbeitet auf seinem aktuellen Album unter anderem mit Rockbands zusammen und legt auch live mit seinen 6 Begleitmusikern und -innen oft eine solche Energie in die Tracks. Besonders das Schlagzeug treibt die Rhythmen bis in die hinteren Reihen; alle gehen mit. Die neuen Tracks fügen sich gut ein und werden hervorragend gesungen - würde ich mir ihren Namen merken? Ich weiß ihn nicht. "Miss You" lässt Trentemøller nach ruhigem Beginn rocken, tolle Version. Und so geht es immer weiter. Was hebt er sich für die Zugabe auf? "Even Though You're With Another Girl" und "Silver Surfer Ghost Rider", bei dem das Great Wide Yonder so richtig gut zu hören ist, wild und bewegend. Klasse!

    Nach ein paar live Knöpfen noch die von der Konserve: Fuck Buttons. Die liegen bei mir derzeit sehr gern auf mit ihrer treibenden Energie, großartig!
  • Am Ufer

    25 nov. 2013, 22h22m

    Mi., 13. Nov. – Agnes Obel, Feral & Stray
    Ich bin früh genug, um einen der letzten Sitzplätze auf den Bänken der ausverkauften Kulturkirche Nippes zu bekommen. Nach der gewohnt schwärmerischen Ankündigung startet Erin Lang als Feral & Stray. Ja, die Kompositionen klingen ein wenig ungezähmt und verirrt, die Stimme hilfesuchend und neblig hoch; eine sehr schöne Einstimmung.

    Agnes Obel probt selbst den Lichteinfall am Klavier. Ja, sie hat alles gut im Griff. Auch bei ihrem Auftritt ist sie souverän, mischt Songs vom aktuellen Album mit älteren, verrät uns, dass sie vor Jahren "Riverside" völlig misslungen gespielt hat und es für sie eine furchtbare Erfahrung war. Heute spielt sie mit der Cellistin und der Violinistin sehr schöne Liveversionen von ihren Songs. "Dorian" gefällt mir besonders gut, selbst bei den Songs, die ich wegen ihres Klimperklavierparts nicht mag, ist es live unauffällig und die Streicher, ab und zu auch die elektronischen Parts, nehmen es sehr schön auf. Agnes ist bei aller Konzentriertheit locker, spricht zu Beginn auch Deutsch, drückt aber die Feinheiten lieber in Englisch aus, wie in ihren Songs. Zu einem Song kommt auch Erin Lang auf die Bühne, allerdings nicht so richtig integriert. Nach 90 Minuten mit den Zugaben verlassen wir beseelt diese schöne Veranstaltungsstätte.
  • souverän

    6 nov. 2013, 21h13m

    Fr., 1. Nov. – Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra, Jherek Bischoff, The Simple Pleasure
    Köln, das ausverkaufte Gloria. Eine Überraschung ist, dass ich nur noch zwei Stücke der zweiten Vorband höre, obwohl es kurz vor 8 Uhr ist. Die Roten Punkte habe ich gar nicht gehört. Aber Jherek Bischoff macht zusammen mit Perhaps Contraption gute Laune mit ihrer Musik, eine bunt instrumentierte Mischung. Der Gesang von Jherek Bischoff durchs Megaphon klingt hübsch angestaubt. Nach ihrem Konzert machen Perhaps Contraption mitten in der Zuschauermenge nochmal Party mit einem Bläserstück und marschieren zwischen fröhlich starhlenden Menschen hinaus.

    Und Amanda Palmer lässt nicht lange auf sich warten. Ich sehe sie das erste Mal live. Das extrovertierte Outfit mit einem Edding-"JA" auf dem Dekolleté irritiert mich nicht sehr, weil sie insgesamt sehr souverän auftritt, keine zusätzlichen Showgesten braucht, um zu wirken. Sie macht Tempo und Bewegung, sie geht singend durchs Publikum, sie macht Stagediving, aber sie ist auch bei den ruhigen Songs authentisch. Und die finde ich sehr schön, "The Point of It All" von 2008 und "The Bed Song" von 2012 sind meine Hits. Die Coverversionen sind allesamt auch sehr gelungen. "Smells Like Teen Spirit" darf nicht fehlen, "Walk on the Wild Side" mit angemessener Ehrerbietung an den jüngst gestorbenen Lou Reed und nicht zuletzt der deutsche Song des Abends, dieses Mal "99 Luftballons", wirklich sehr gut interpretiert, nah am Original, in akzentfreiem Deutsch. Ja, mit ihrem Deutsch überrascht sie mich. Sie hat in jungen Jahren in Köln ein Schauspielpraktikum gemacht, und die Sprache offenbar gut gelernt. Ihre Ansagen sind immer gute Unterhaltung. Zusammen mit einer Reihe Solo-Songs gibt sie dadurch der Band zwischendurch eine halbe Stunde. Sie selbst ist aber die vollen knapp 2 1/2 Stunden auf der Bühne. Ein toller Abend!