Und ich frage mich gelegentlich: Bin das ich oder bin ich nur so, wie sie mich gerne…

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27 déc. 2007, 14h20m

Ich wurde schon häufiger - zum Beispiel von der da - gefragt, ob ich gute, neue Musik gefunden hätte.
Irgendwann in den letzten Wochen dann die Erkenntnis: Nein.

Ich weiß nicht, ob das vor ein, zwei Jahren wirklich so war, aber ich habe retrospektiv das Gefühl, ich wäre früher™ alle zwei Wochen auf eine neue, frische, unverbrauchte Gruppe gestoßen, die die Musikwelt revolutionieren werden würde.
Wenn ich mir heute Künstler wie The Sunshine Underground, Arctic Monkeys, The Killers oder ¡Forward, Russia! anhöre, dann umweht deren Musik für mich immer noch der Entdeckergeist.
Das war was neues.

Und heute?
Die letzte Band, auf die ich gestoßen bin, nannte sich The Pigeon Detectives. Die mussten erst ein Jahr lang Spitzenpositionen im Vereinigten Königreich belegen, von allen Musikmagazinen zerrissen und von jedem 14-jährigen Indie-Mädchen tot gehört worden sein, bis mein Gesicht mit Gewalt in Take Her Back gestoßen wurde.
Ein Armutszeugnis.
Das war vor vier oder fünf Monaten.
Und seitdem: Nichts.
Leere.

Ist die Jugend jetzt vorbei? Werde ich mit Riesenschritten zu dem, was ich nie werden wollte? Sitze ich schon in wenigen Wochen mit Pfeife und Bild-"Zeitung" in einem Ohrensessel und lausche den Klängen von Andrea Berg und den Zillertaler Schürzenjägern?

Oder hat sich meine Perspektive einfach nur verändert? Bin ich mittlerweile so tief eingetaucht in die Welt der unbekannten Künstler, dass ich eine Band schon für total abgenutzt halte, wenn sie 100.000 Mal gescrobbelt wurde?
Und drückt sich dadurch nicht genau das aus, was mir immer vorgeworfen wird? Das gepflegte Musiknazitum lässt keinen Platz für Quarter-Crisis-Gedanken.
Immer nach vorne!
Schlecht? Egal, Hauptsache unbekannt.
Gut? Egal, zu bekannt.

Und was bleibt im sich selbst zerstörenden Rausch der Rhythmus-Bigotterie: Die Erkenntnis, dass auch Verschnaufpausen gut tun können. Sie können den Horizont kräftig erweitern. Bei mir so geschehen. Unbemerkt. Vor lauter I-want-rock-Mentalität blieb die Beschäftigung mit dem, was mir wirklich etwas bedeutet; dem, was ich wirklich gut finde, lange Zeit auf der Strecke.

Und irgendwann hat es sich dann herauskristallisiert: Kleine, feine Sachen wie save me oder Flooded machen nicht nur Spaß, sie bedeuten mir sogar einiges.

Da ist er wieder, mein unverwüstlicher Glaube an das Gute, das durch Musik erweckt wird. Fast hatte ich ihn schon vergessen; es brauchte erst eine Verdrossenheit und einen Perspektivwechsel, um ihn wieder hervorzuholen.

Und wenn mich jetzt noch mal jemand fragt, ob ich gute, neue Musik gefunden hätte, dann kann ich besten Gewissens sagen: "Ja. Und es ist mir völlig egal, ob das jemand anderem gefällt."

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